Der Historiker Georg Ritter zeichnet anhand der wissenschaftlichen Auswertung von 162 lebensgeschichtlichen Interviews, die er in 63 Ortschaften Nordtransdanubiens geführt hat, das Schicksal der ungarndeutschen Gemeinschaft zwischen 1940 und 1970 nach.
I. kötet – A második világháború
(Band I – Der Zweite Weltkrieg)
Der erste Band untersucht die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg. Thematisiert werden die identitätsprägende Bedeutung der Volkszählung von 1941, die Tätigkeit des Volksbundes, das Einziehen in die Waffen-SS sowie das Schicksal der in die ungarische Armee Eingezogenen. Die Fronterfahrungen, die Flucht- und Vertreibungsgeschehnisse am Ende des Krieges sowie die Geschichten der zur sowjetischen Zwangsarbeit verschleppten Zivilisten rufen eine Epoche in Erinnerung, in der Loyalität, Überleben und gemeinschaftliche Zugehörigkeit zu existenziellen Fragen wurden.
II. kötet-Elűzés és paraszttalanítás
(Band II – Vertreibung und Entbäuerlichung)
Der zweite Band erschließt die Welt der Vertreibung, der Entbäuerlichung und der „langen 1950er Jahre“. Internierungen, Ghettoisierungen, das Verladen in Viehwaggons, anschließend Enteignung und Kulakisierung erscheinen nicht als isolierte Ereignisse, sondern als Stationen eines gesellschaftlichen Desintegrationsprozesses. Die Wellen der Kollektivierung, die Deportationen nach Hortobágy, die Erinnerung an die Ereignisse von 1956 sowie die Strategien einer verborgenen Identität verdeutlichen: Die Vertreibung war kein abgeschlossener Akt, sondern ein langwieriger sozialer und seelischer Prozess, der auch noch heute andauert.
Eine der eindringlichsten Zahlen des Bandes ist selbst ein historischer Befund: Während sich 1941 noch rund 475.000 Personen in Ungarn zur deutschen Nationalität bekannt hatten, gaben 1970 nur noch etwa 35.000 Staatsbürger Deutsch als Muttersprache an. Dahinter stehen jedoch Lebensschicksale, Familiengeschichten, gebrochene Lebenswege und Versuche des Neuanfangs.
Die zweibändige Publikation gibt den Stimmen der Überlebenden Raum. Die persönlichen Erzählungen verdichten sich zu kollektivem Gedächtnis und zeichnen ein differenzierteres Bild der Geschichte der Ungarndeutschen im 20. Jahrhundert, als es jede statistische Zusammenfassung vermag.
Die beiden Bände richten sich an all jene, die die großen historischen Prozesse aus der Perspektive individueller Lebenswege verstehen möchten und wissen, dass Erinnerung nicht nur Rückblick, sondern auch Verantwortung ist.
Ritter György: Végszó. Magyarországi németek elbeszélései az alávetettségükről, 1940-1970 (Schlusswort. Erzählungen von Ungarndeutschen über ihre Unterordnung, 1940-1970)
I. kötet – A második világháború (Band I – Der Zweite Weltkrieg – 478 Seiten)
II. kötet – Elűzés és paraszttalanítás (Band II – Vertreibung und Entbäuerlichung – 478 Seiten)
Budapest : Gondolat Kiadó 2025
Sprache: Ungarisch
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