Görbedi Miklós: 1020 nap az őrtornyok árnyékában. A tiszalöki hadifogolytábor története

Die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers von Tiszalök wurde nicht von Schriftstellern geschrieben. Überlebende, einfache Menschen berichteten von ihren persönlichen Erlebnissen, und ihre schriftlichen Zeugnisse wurden durch jahrelange Arbeit von einem engagierten Lokalhistoriker, Miklós Görbedi, gesammelt. Der hier vorgestellte Band ist eine Dokumentensammlung, die die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers von Tiszalök auf der Grundlage von Quellen, aus persönlichen Perspektiven und mithilfe von Erinnerungen darstellt. Es werden solche Fragen in den Mittelpunkt gerückt, die lange Zeit als tabu galten: Was geschah mit den Toten des Lagers? Wie entstanden Schweigen und Legenden? Auf welche Art und Weise wurden diese später zu Erinnerung und Mahnmal?

Das Buch legt besonderen Wert darauf, die Geschichte mit den Stimmen jener zu erzählen, die die Gefangenschaft selbst erlebt haben. Im Folgenden ist das aus dem Ungarischen übersetzte ausführliche Zeugnis eines Zeitzeugen zu lesen, das die Kontinuität des Kriegsgefangenenstatus und die Erfahrungen des Alltags festhält:

„Wir, die wir im Dezember 1950 von der Sowjetunion an Ungarn übergeben wurden, waren keine Internierten, sondern Kriegsgefangene. Hier wurden Kriegsgefangene, ohne formelle Entlassung aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft, von der sowjetischen Wachmannschaft an die ungarische überstellt. Ich kam am 2. Dezember 1950 in Pesth an. Gemeinsam mit zwanzig Mitgefangenen wurde ich im Keller des Schüblingshauses untergebracht, wo wir auf zweistöckigen Eisenbetten schliefen. Später brachte man uns in große Säle, wo wir dicht gedrängt auf mit Stroh bedecktem Betonboden lagen. Die Fensterscheiben waren gekalkt, und selbst zur Toilette durften wir nur gemeinsam und mit besonderer Genehmigung gehen. 
Die böswilligen Wachleute nutzten jede Gelegenheit, um uns zu demütigen. Besonders hatten sie es auf die Offiziere sowie auf unsere Kameraden mit guter Erziehung und gepflegtem, gebildetem Erscheinungsbild abgesehen.
Am 30. März wurde ich mit etwa dreihundert Kameraden in das Lager von Tiszalök gebracht. Dort verbrachten wir unsere Freizeit – sofern es überhaupt welche gab – meist mit Körperpflege, der Instandhaltung unserer Kleidung, mit Ruhe und Schlaf. Wenn es möglich war, hielten wir uns in der freien Zeit in der Gesellschaft von Landsleuten und Kameraden auf: Auf den Holzpritschen und Strohsäcken hockten wir mit übereinandergeschlagenen Beinen im Kreis, unterhielten uns oder sangen Volkslieder. Dies war einer der wichtigsten Faktoren für Kameradschaft und Zusammenhalt.“

Die weiteren Kapitel des Bandes vervollständigen die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers von Tiszalök mithilfe von Briefen, Dokumenten, Namensverzeichnissen und visuellen Quellen. Das gemeinsame Singen von Volksliedern, die Gespräche sowie die geistige Bewusstsein – etwa durch das Erlernen von Sprachen oder das Anfertigen von Notizen aus dem Gedächtnis – zeigen, dass das Überleben nicht nur ein körperlicher, sondern auch ein seelischer Kampf war.

Das Buch von Miklós Görbedi öffnet ein historisches „Fenster“, durch das die dunkle Realität der chaotischen Nachkriegsjahre sichtbar wird.

Görbedi Miklós: 1020 nap az őrtornyok árnyékában. A tiszalöki hadifogolytábor története (1020 Tage im Schatten der Wachtürme. Die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers von Tiszalök)
Tiszalök : Tiszalöki Költségvetési Üzem, 1989
208 Seiten
Sprache: Ungarisch

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