Gion Nándor: Rózsaméz

Der aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Nandor Gion (1941-2002) war einer der bekanntesten ungarischen Minderheitenautoren der 60er und 70er Jahre. Er wurde in Thomasberg/Szenttamás, im südlichen Teil der Batschka geboren, wo auch seine Romane spielen. Bei dem hier empfohlenen Werk handelt es sich um die Fortsetzung von Der Soldat mit der Blume, das Sie durch die Buchtipps der Ungarndeutschen Bibliothek schon kennen.

Der Soldat mit der Blume erzählt von der Kleinstadt Thomasberg in der Woiwodina von 1898 bis zum Ersten Weltkrieg. Der Erzähler, István Rojtos Gallai, erzählt die Geschichte seiner Freundschaft mit  Ádám Csoszogó Török, durchsetzt mit historischen Ereignissen. Zu Beginn von Rózsaméz schreiben wir das Jahr 1920 und befinden uns auf dem Bahnhof von Werbass. Dort treffen sich Ádám Csoszogó Török und Antal Gion, die gerade aus dem Gefängnis bzw. vom Militärdienst heimgekehrt sind. Rojtos Gallai spielt immer noch die Zither, aber nicht mehr auf Bällen, sondern zum Vergnügen seiner Familie. Er hat die Tochter des deutschen Müllers, Rézi Krebs, geheiratet und erzählt ihr und ihren Kindern vom Rosenhonig, von dem ewige Jugend und unerschöpfliche Lebenskraft ausgehen. Mit seinen Geschichten darüber hält er die Menschen in seiner Umgebung in Atem, aber verschweigt die Tatsache nicht, dass es den Rosenhonig überhaupt nicht gibt… 

Ádám Csoszogó Török spielt in dieser Geschichte eine untergeordnete Rolle, da er die meiste Zeit im Gefängnis verbringt, und auch nach seiner Entlassung seine gewalttätigen und illegalen Aktivitäten fortsetzt, so dass sein Charakter in den Hintergrund gerät.

Der Roman umspannt die zwanzig Jahre zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg, und die Handlung besteht aus mehreren parallelen Geschichten, in denen sich das Leben des Dorfes entfaltet. In dieser Zeit werden die Gegensätze besonders deutlich: Manche werden reich und manche arm, manche betrügen ihre Ehepartner und manche werden betrogen. Einige verpfeifen ihre Mitmenschen, die anderen werden unschuldig inhaftiert, manche sehen in der Sowjetunion ihre Rettung, die anderen beten die Deutschen an. Auch die serbisch-ungarisch-deutsche Fehde zwischen den Nationalitäten entwickelt sich, schwächt die Einheit des Dorfes weiter und ruiniert die Siedlung, so wie Kriege die Welt ruinieren.

Der Roman ist all jenen zu empfehlen, die eine Geschichte lesen möchten, die in einem von verschiedenen Nationalitäten bewohnten Dorf spielt und eine seltsame Mischung aus Märchen und Realität darstellt.

Gion Nándor: Rózsaméz
Budapest : Magvető, 2019
362 Seiten
Sprache: Ungarisch

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