Die Ungarndeutsche Bibliothek stellt diese Woche wieder einen Studienband ihren Lesern vor, der ein bestimmtes Segment der deutschsprachigen Literatur in Mittel- und Südosteuropa im 20. und 21. Jahrhundert zeigt.
Was die Verwendung der deutschen Sprache in der ungarndeutschen Volksgruppe anbelangt, kann man die Zeitperiode der nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgten Schicksalsschläge – wie Verschleppungen, Enteignungen, Entrechtungen und Vertreibungen – auch als die „Epoche des Verstummens” bezeichnen. Trotz der langsamen Verbesserung der Lage bezüglich des kulturellen Lebens, waren die Jahrzehnte der sozialistischen Zeiten in Ungarn durch einen enormen Sprachverlust geprägt. Es gibt immer weniger ungarndeutsche Mundartsprecher, die einstige Muttersprache der Ahnen erlernen die meisten ungarndeutschen Kinder nur, wenn die Gelegenheit ihnen offen steht, in ihrer standardisierten Form, heutzutage gewöhnlich nur noch als Fremdsprache. Wie sieht die aktuelle sprachliche Lage der Volksgruppe aus? Welche sprachlichen Tendenzen, Wirkungen und Verhältnisse sind für die Ungarndeutschen charakteristisch?
Über das Wort Lehrpfad fallen uns meistens die von Fachleuten in der Natur künstlich errichteten Sehenswürdigkeiten ein, die unsere Aufmerksamkeit mit pädagogischem Ziel auf bestimmte Naturerscheinungen lenken und uns Wissen über das Vorgestellte vermitteln. Im Falle der ungarndeutschen Lehrpfade geht es ebenfalls um diese pädagogischen Ziele, wobei sie zugleich auch als eine Art identitätsstärkende bzw. kulturgeschichtliche Denkmäler dienen.
Aus pädagogischer Sicht sind Schulprojekte im 21. Jahrhundert äußerst wichtig, denn diese eine tatkräftige Beteiligung verlangen und wesentlich zu den Lernfähigkeiten der Schüler beitragen. Ihre gemeinschaftsbildende, identitätsstärkende Funktion wurde auch in den ungarndeutschen Bildungsinstitutionen erkannt, was auch an der aktiven und zunehmenden Teilnahme von Schülern an dem Ungarndeutschen JugendFilmfest Abgedreht! oder an der TrachtTag-Initiative beweisen lässt.
Die Donauschwaben – darunter auch die Ungarndeutschen – werden von der Mehrheitsbevölkerung und auch von sich selber oft als Schwaben genannt. Aus den heutigen Territorien von Baden-Württemberg und aus der heute als Bayerisch Schwaben genannten Region von Bayern kamen zu den Ansiedlungszeiten, aber verhältnismäßig wenige Ansiedler ins Königreich Ungarn. So war nur eine Minderheit der eingewanderten Kolonisten tatsächlich schwäbischer Herkunft. Eine der wenigen dieser Volksgruppen waren die Sathmarer Schwaben, deren Identitätsänderungen Dr. Melinda Marinka, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Debrecen, in diesem Buch untersuchte.
Die Ansiedlung von Schorokschar/Soroksár erfolgte Anfang des 18. Jahrhunderts durch Grundherrn Anton Grassalkovich. Jahrhundertelang blieb die Siedlung ein ungarndeutsches Dorf in der Nähe der Hauptstadt. Sie wurde am 1. Januar 1950 zusammen mit Pestelisabeth/Pesterzsébet als XX. Bezirk Budapest angeschlossen. 1994 wurde Schorokschar vom XX Bezirk abgetrennt und existiert seitdem als der jüngste, XXIII. Bezirk von Budapest. Der sechste Band der Reihe Soroksári füzetek wurde 2017 mit dem Titel Befogadás Otthonra találás Továbbadás herausgegeben. Der Anlass dafür war, dass das erste deutschstämmige Kolonistenkind in Schorokschar 1717, also genau 300 Jahre vor der Herausgabe des Buches, geboren ist.
Ágnes Huber promovierte 2010 an der Loránd-Eötvös-Universität. Die überarbeitete, gekürzte Fassung ihrer Dissertation über den Sprachgebrauch und die Identität der jungen Ungarndeutschen ist dieses Jahr beim Verlag Dr. Kovač erschienen.
Was bedeutet Heimat? Diese Frage wird im illustrierten Heft des Stuttgarter Hauses der Heimat behandelt. Die Verfasser der sieben Artikel in der Veröffentlichung sind namenhafte Forscher deutschsprachiger Minderheiten.
Die Veröffentlichung der “Gyula Juhász” Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Szeged enthält die Thesen einer im März 2011 gehaltenen internationalen Konferenz. An der Tagung wurden sprach-, literatur- und kulturwissenschaftliche bzw. didaktische Themen besprochen.