Wolfgang Zimmermann, Josef Wolf (Hg.): Die Türkenkriege des 18. Jahrhunderts

Umschlag des Buches

Die wichtigste Bedingung für die erfolgreiche Ansiedlung der Donauschwaben – und somit auch der Ungarndeutschen – und ihre spätere effiziente wirtschaftliche Entwicklung war die durch Frieden gesicherte Stabilität, nicht nur auf den Ansiedlungsbieten, sondern auch im ganzen Land. Diese erfolgte durch die − mit dem Friedensabkommen von Sathmar 1711 besiegelte − Niederschlagung des Rákóczi-Aufstandes und den − mit den Osmanen im Jahre 1718 geschlossenen − Friedensvertrag von Passarowitz. Die meisten Werke von Historikern setzen in der Untersuchung der Geschichte der Ungarndeutschen ihren Schwerpunkt eher auf die Gründe und Umstände der Ansiedlung als auf ihre Voraussetzungen oder Vorgeschichte. Die osmanische Herrschaft in Europa sowie ihre Wechselbeziehungen mit den Westmächten in Kriegs- wie auch in Friedenszeiten sind aber nicht nur ein Teil europäischer und ungarischer Geschichte, sondern auch für die der Donauschwaben und somit auch der Ungarndeutschen bestimmend.

 

 

 

 

Auch aus diesem Grund ist der hier vorgestellte, 2017 herausgegebene Studienband ein lückenfüllendes Werk, das die Thematik der Türkenkriege gründlich, aus einer breiten Perspektive behandelt. Die insgesamt 18 Beiträge beinhaltende Publikation geht aus der gleichnamigen, 2015 in Tübingen von dem Landesarchiv Baden-Württemberg und dem Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde abgehaltenen Tagung hervor. 
Die behandelten militärischen Auseinandersetzungen erfolgten während des späten 17. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vorwiegend im unteren Abschnitt des mittleren Donauraumes. Die letzten Konflikte zwischen den habsburgischen und osmanischen Großmächten auf ungarischem Boden treffen mit der Anfangszeit der Ansiedlung der Donauschwaben überein. Wie auch während der Tagung, die im Band befindlichen Aufsätze wurden unter den Leitbegriffen „Wahrnehmen”, „Wissen” und „Erinnern”, gegliedert. In den Beiträgen des ersten Themenbereichs werden wir anhand von medialer Perzeption der Geschehnisse wie zeitgenössische diplomatische Berichte oder Verträge in die Welt der beiden Großmächte und des Krieges eingeführt. Das Tun und Handeln der osmanischen Großbotschaften in Wien, die Person des kaiserlichen Generals und Statthalters von Serbien Karl Alexander von Württemberg sowie die des Diplomats, Reformers und ersten osmanischen Buchdruckers, Ibrahim Müteferrika, werden durch äußerst detailhafte Beiträge beschrieben. In den Abhandlungen des zweiten Themenbereichs wird der Schwerpunkt auf die Analyse von verschiedenen zeitgenössischen Landkarten wie Kriegsschauplätze oder neu erworbene Territorien gesetzt. Abschließend kann man u. a. über die Erinnerungspolitik bezüglich Prinz Eugen oder Ludwig Wilhelm von Baden während der NS-Zeit lesen. Das Werk wurde mit größter wissenschaftlicher Gründlichkeit zusammengestellt und ist äußerst lesenswert gelungen.

Diesen historischen Tagungsband empfehlen wir allen, die sich mit der Türkenkriege und somit auch mit der Vorgeschichte der ungarndeutschen Volksgruppe während der Neuzeit im mittleren Donauraum befassen möchten.

Wolfgang Zimmermann, Josef Wolf M.A. (Hg.): Die Türkenkriege des 18. Jahrhunderts. Wahrnehmen-Wissen-Erinnern
Regensburg : Verlag Schnell & Steiner, 2017.
456 S., Ill.
Sprache: deutsch

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