Dr. Erdődy Gyula: Görcsönydoboka (Ketsching) története

Umschlag des Buches

Die Schwäbische Türkei ist eine der am dichtesten von Ungarndeutschen bewohnten Regionen Ungarns. Auf diesem Gebiet, das sich über Teilen der Komitate Tolnau, Schomodei und Branau erstreckt, findet man ungarndeutsche Siedlungen, die einst eine ununterbrochene, zusammenhängende deutsche Sprachinsel bildeten. Man braucht sich also nicht zu wundern, dass es bislang zahlreiche Monografien und Heimatbücher über verschiedene ungarndeutsche Siedlungen der Schwäbischen Türkei erschienen sind.

 

 

 

 

 

 

Diese Monografie über Ketschinge-Tuwoke kann man als eine Art Sonderfall betrachten, da sie erst im Jahre 2009 im Auftrag der örtlichen Selbstverwaltung erschien ist. Das Buch gliedert sich in zwei Teile, mit dem Schreiben wurden zwei Experten beauftragt.
Den größeren, geschichtlichen Teil schrieb der Historiker Dr. Gyula Erdődy. Ketschinge und Tuwoke wurden erst 1944 vereinigt, ihre Geschichte wird aber gemeinsam behandelt. Zahlreiche wertvolle historische Angaben, unter anderem Listen der serbischen (aus 1727) und deutschen Ansiedler (aus den 1730-40er Jahren) sowie Steuerlisten der späteren Zeiten, sind hier zu finden. Die Listen der Schüler, die die römisch-katholischen und griechisch-orientalischen Volksschulen besucht haben, aus 1892 spiegeln die damalige ethnische Zusammensetzung der Siedlungen wider. In den letzten zwei Kapiteln kann man darüber lesen, wann und warum viele Serben nach dem Ersten Weltkrieg die Siedlung verließen, in welchem Maße die deutsche Bevölkerung von den Entrechtungen und der Malenkij Robot betroffen war, und wie sich die Zusammensetzung der Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg änderte. Die von Dr. Erdődy sehr anspruchsvoll geschriebene Zeitreise dauert von der Urzeit bis 2009, also bis zur Herausgabe des Buches.
Der zweite Teil ist auch nicht weniger anspruchsvoll, er wurde vom ungarndeutschen Schriftsteller Franz Sziebert geschrieben. Dieser, der die Bräuche und den Alltag der Ungarndeutschen auf 42 Seiten in deutscher Sprache behandelt, wurde „mit der Feder des Zeitzeugen zu Papier gebracht”, denn der Schriftsteller ist 1929 in Ketschinge geboren, und lebte bis zu seinem Tode im Jahre 2012 hier. Franz Sziebert erlebte hier als Jugendlicher die Zeiten, als noch das Tragen der Tracht, der Volkstanz, die Verwendung der örtlichen Mundart und die Volksbräuche den Alltag der hiesigen Ungarndeutschen ausmachten und ihr Leben bestimmten.
Man bemängelt nur eine weitere Ausgabe, wo der erste Teil auch in deutscher und der zweite in ungarischer Sprache zu lesen ist.

Wir empfehlen das Buch allen, die ein anspruchsvoll zusammengestelltes Werk über die Geschichte einer ungarndeutschen Siedlung und deren Bewohner aus der Schwäbischen Türkei lesen möchten.

Dr. Erdődy Gyula: Görcsönydoboka (Ketsching) története
(Die Geschichte von Ketschinge-Tuwoke)
Görcsönydoboka : Görcsönydoboka Község Önkormányzati Képviselőtestülete, 2009.
192 S., Ill.
Sprache: Ungarisch, teilweise Deutsch

Die empfohlenen Bücher sind in der Sammlung der Ungarndeutschen Bibliothek – wenn nichts weiteres Angegeben- nur zur Leihe zugänglich.
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